Alles über Merengue

Soweit zur Historie der Merengue. Der Tanz ist von einfacher Rhythmik. Wenn Salsa der Discofox Südamerikas ist, dann wäre die Merengue der Show Tanz der Karibik. 

Nach einer oft zitierten Anekdote entstand die Merengue im Jahr 1844, dem Gründungsjahr der Dominikanischen Republik, als Spottlied auf einen desertierten Soldaten, Tomas Torres, der in der Entscheidungsschlacht seinen Posten verließ. Die Dominikanische Armee gewann, und abends erfanden die Soldaten die erste Merengue. Ihr einfaches Klangmuster könnte diese Anekdote unterstützen. Zur Entstehung der Merengue bestehen viele Theorien. Es ist denkbar, dass zum haitianischen Mereng Verbindungen bestehen. Auch die Entstehung aus einer Verbindung von Sklavenmusik "chica" und "calenda" mit Tanzballmusik wie der französischen "Contredanse" (die ihrerseits wiederum kubanische Ursprünge aufzeigt) ist möglich. Der Name "Merengue" könnte auch von der "Mouringe Musik" der madegassischen Bantu stammen.

Wie dem auch sei, ab ca. 1930 entwickelte sich die Merengue als nationales Symbol und wurde auch in der Immigrantenszene New Yorks weiterentwickelt. Zunächst als Musik das armen Volkes entwickelt, hat sie sich heute zu einem international für alle Schichten bedeutenden Tanz entwickelt.

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Der "Hildebrand's Urlaubsführer: Dominikanische Republik", S.150-153, 4. Auflage 1995, K+G Verlag, sagt zur Merengue das folgende: ... Dies harmonische Bild passt leider nicht zu der Debatte unter Musikhistorikern, die Herkunft des Merengue betreffend. Die hitzig geführte und gelegentlich in beleidigende Attacken mündende Diskussion erinnert an ähnliche Auseinandersetzungen über die Ursprünge des Spanischen Flamenco. Im Falle des Merengue teilt sich das Heer der Sachverständigen in zwei Lager: Die einen vertreten mit Vehemenz die These einer bodenständigen Entwicklung, die anderen verteidigen ebenso wortgewaltig seine externe Entstehung - doch selbst die Angehörigen einer "Schule" sind nicht in allen Punkten derselben Meinung. Einige unter ihnen schreiben dem Nestor der dominikanischen Musik, Juan Batista Alfonseca, die "Vaterschaft" zu, wieder andere postulieren eine Entstehung als spontanen Ausdruck des Sieges gegen die Haitianer nach der Schlacht von Talanquera, und Dritte pochen auf die Ableitung aus Taino-Traditionen, in die später kolonial-spanische und afrikanische Elemente eingeblendet wurden.

Einer volkstümlichen Erklärung zufolge entstand der Merengue während einer Fiesta, auf der ein hochrangiger Gast mit einem Klumpfuss zu tanzen versuchte. Um den Behinderten nicht zu brüskieren, übernahm die ganze Gesellschaft sein steifbeiniges Schlurfen - der Merengue war geboren!
Auch unter denen, die glauben, der Tanz sei "importiert", herrscht Unklarheit darüber, ob er direkt aus Afrika kam oder über den Umweg Cuba. Einige halten es sogar für möglich, dass die berüchtigten Piraten von La Tortuga "ihren Fuß" im Spiel hatten, denn - wie wir alle aus Abenteuerfilmen wissen - Seeräuber trugen oft Holzbeine! Auch der Name "Merengue" bleibt geheimnisvoll: Leitet er sich von der bekannten Süßspeise aus Eischnee und Zucker (*) ab ==> oder stammt er aus einer afrikanischen Sprache? Gleich, ob man dem Volksmund oder der wissenschaftlichen Variante zustimmt, eines ist gewiss: Um 1850 war der Merengue in der Gegend von Cibao bereits präsent und gewann unter der Landbevölkerung rasch Anhänger. Nicht so in den Salons der Städte. Hier rümpften die Mitglieder der "feinen" Gesellschaft die Nase über den wilden Bauerntanz, augenscheinlich ein Werk des Teufels, das dazu ausersehen schien, der tumba und anderen geheiligten Folkloregöttern den Gar aus zu machen. Erst während der Trujillo-Ära gelang dem geächteten Tanzvergnügen der Einbruch in breitere gesellschaftliche Schichten.